Zum Hauptinhalt springen

Die Kunst der effektiven Kommunikation: Tipps und Techniken - Teil 3

Wann warst du das letzte Mal in einer Gesprächssituationen bei der du das Gefühl hattest, die Kontrolle zu verlieren? Wann hast du das letzte Mal etwas gesagt, dass du sofort bereut hast? Oder ist es dir auch schon passiert, dass du vor lauter Wut und Frust kein Wort mehr hast artikulieren können?

Du ahnst es, all dies passiert allen Menschen. Grund dafür sind unter anderem unsere Bedürfnisse.

Wir alle haben Bedürfnisse, die wir stillen respektive erfüllen wollen und müssen. Wir unterscheiden zwischen physischen Bedürfnissen wie zum Beispiel Nahrung, Luft, Wasser und emotionalen Bedürfnissen wie zum Beispiel Zugehörigkeit, Anerkennung oder Liebe.

Unsere Bedürfnisse sind die Grundlage für unser Handeln und unsere Emotionen. Die Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg, macht deutlich, dass alle menschlichen Handlungen zum Ziel haben die eigenen Bedürfnisse zu erfüllen.

Sind unsere Bedürfnisse erfüllt stellen sich angenehme Gefühle ein. Wir fühlen uns zum Beispiel begeistert, angeregt, sicher, oder zuversichtlich. Sind unsere Bedürfnisse hingegen nicht erfüllt verspüren wir Gefühle wie Frust, Ärger, Angst oder Zorn.

Wenn wir also in einem schwierigen Gespräch wütend werden, ist dies ein Hinweis darauf, dass eines unserer Bedürfnisse nicht erfüllt ist. Um in Zukunft in diesen Situationen handlungsfähig zu bleiben, kannst du nach dem Modell der Gewaltfreien Kommunikation vorgehen.

Dieses Modell basiert auf vier Schritten:

  1. Beobachten: wir beschreiben möglichst genau eine Situation – je genauer, je besser. Keine Interpretationen, nur Zahlen, Daten und Fakten.
  2. Gefühle: wir benennen das Gefühl, welche die Situation in uns auslöst.
  3. Bedürfnis: wir finden heraus welches unserer Bedürfnisse erfüllt werden möchte.
  4. Bitte: wir formulieren unsere Bitte an unsere Mitmenschen. Welche Handlung wünschen wir uns von ihnen. Dabei sprechen wir alle vier Etappen aus.

Diese vier Schritte sehen auf den ersten Blick einfach aus. Wer aber schon mal eine herausfordernde, zwischenmenschliche Situation anhand dieser vier Schritte analysiert hat, merkt schnell, dass es etwas Übung braucht, keine Interpretationen in die Beobachtungen fliessen zu lassen, seine Gefühle klar benennen zu können und dann auch noch zu wissen um welches unerfüllte Bedürfnis es sich handelt.

Die Gründe, weshalb uns dies oft schwerfällt, sind vielfältig. Zum Beispiel unsere Konditionierung. Wir lernen uns anzupassen und wollen nicht auffallen. Auch Stress und Überforderung können uns daran hindern, innezuhalten und die Situation aus einer anderen Perspektive anzuschauen. Ungeklärte Prioritäten und der damit verbundene Mangel an Klarheit, was uns im Leben wirklich wichtig ist, beeinflussen unsere Kommunikation, unsere Emotionen und unsere Handlungen.

Ich befasse mich selbst seit mehreren Jahren mit der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg. Sie hilft mir zum Beispiel beim Reflektieren von Alltagssituationen die nicht so gelaufen sind wie erhofft, beim Formulieren von «Wenn-dann-Plänen» (wenn ich das nächste Mal eine ähnliche Situation erlebe, möchte ich so oder so vorgehen) und beim Ansprechen von heiklen Themen. Sie bringt mir auf jeden Fall mehr Klarheit in mein Leben.